Lesbos: Helfer der Gestrandeten

Ein Film von Julia Horn

 

Dokumentation 45'00

WDR 2015

 

Redaktion: Martin Suckow

Kamera:    René Begas

Schnitt:      Alexandra Karaoulis


Es sind Momente, die sich uns einbrennen. Nachts hören wir laute Schreie. Ein Schlauchboot rutscht auf den Strand. Frauen, Männer und Kinder torkeln aus dem Boot und sinken erschöpft zusammen.

Das Boot, für 30 Menschen ausgelegt, ist mit 60 Flüchtlingen völlig überladen. Sie haben die gefährliche Überfahrt von der Türkei nach Lesbos überlebt. Dieses Mal sind Helfer vor Ort, wie das deutsch-iranische Ärztepaar Bita und Khalil Kermani.

 

Bita Kermani: "Da war eine Frau mit einem vier Wochen alten Baby. Und es war unglaublich zu sehen, wie sie das kleine, zerbrechliche Kind dann übergeben hat. Da habe ich schon gedacht, oh, jetzt fängt es an."


Khalils Bruder Navid Kermani meldete sich bei dem Ärztepaar auf dem Handy, als er seinen aufrüttelnden Artikel über das Chaos auf Lesbos für den Spiegel schrieb. Sie würden gebraucht. Bita und Khalil überlegen nicht lange und brechen den gerade begonnen Urlaub auf Kreta ab.

Bita, Khalil und die gemeinsame Freundin Heidi helfen da, wo konkret etwas gebraucht wird. Sie schmieren 2000 Brote, wenn in Flüchtlingslagern kein Essen verteilt wird. Ihr Auto ist voll gepackt mit trockener Kleidung, weil jeder der ankommt, nass aus dem Boot steigt und auf Lesbos die Temperaturen sinken. Sie helfen bei der Registrierung und kaufen Tickets für die Weiterfahrt.

Das Ärztepaar kann sich mit den Flüchtlingen aus Afghanistan und Syrien verständigen. Sie hören und verstehen ihre Geschichten.


 

Khali Kermani: "Allein das sie jemanden hatten, dem sie ihre Geschichte erzählen können ... Jede Geschichte war ein Drama für sich"

 

 

Auf die Frage, was sie den Menschen hier geben konnten antwortet Kahlil schlicht:

" Blicke, Blicke, den Menschen in die Augen schauen. Salemaleikum, auf persisch, oder auf arabisch so zwei Brocken. Denen sagen, ihr seid da, ihr habt es geschafft."


Director's commentary

Eigentlich begleiten wir auf Lesbos Rupert Neudeck, der schaut, was genau gebraucht wird und wie die Hilfsorganisation "Grünhelme" helfen kann.

Als er zurückfliegt spüren wir, dass wir hierbleiben und noch einen ganz anderen Film machen müssen. Im Oktober 2015 war in den Medien nur von 'Massenwanderungen' die Rede, von 'Flüchtlingswellen'. 

Wer aber kommt denn da? Was sind ihre Geschichten? Was genau haben sie erlebt? Was passiert hier auf Lesbos? 

Wir lassen uns auf die Situation ein, bleiben, beobachten und helfen schließlich mit. Das was wir erlebt haben werden wir nie vergessen.

Zurück in Köln gab es keine Zeit das Erlebte zu verarbeiten. Tagesthemen, Hörfunk ... für alle waren es "damals" neue und erste Informationen aus Lesbos.

 

Die Zeitschrift "Communication Socialis" hat mich gebeten, einen Artikel über meine persönlichen Eindrücke zu schreiben. 

Ich habe danach beruflich eine längere Pause eingelegt, weil die Bilder und Geschichten lange nicht zur Ruhe kamen.


 

 

Julia Horn . Werderstrasse 10 . 50672 Köln . kontakt@hornfilm.de